Uhrmacherwerkstatt

Uhrmacherwerkstatt

Glashütter und schweizer Uhrmacherwerkzeug

Uhrenzubehör Uhrmacherbedarf Uhrenetuis Uhrenboxen Uhrenbeweger für Uhrensammler im großen Uhrmacher-Shop

hier geht es zum Uhrmacherwerkstatt und Uhrmacherwerkzeug Shop

Uhrmacherwerkstatt Uhrmacher Uhrmacherwerkzeug Uhrenwerkzeug

Die Uhrmacherwerkstatt Geschicht

Goldene Zeiten im Osten
Das kleine sächsische Städtchen Glashütte hat vor 14 Jahren den Kampf mit dem Schweizer Uhren-Goliath aufgenommen.

 
Uhrenherstellung in Glashütte und Uhrmacherwerkzeug für die Uhrmacherwerkstatt
 
Die Pappkartonfabrik hat 60 Jobs geschaffen. Die Baufirma 100. 650 Menschen aber produzieren Uhren. Damit ist klar, wer in Glashütte das Sagen hat.


Wer Glashütte hört, meint Uhren. Schön und teuer. Vor allem teuer.


Uhrmacherwerkstatt Glashütte hat es geschafft: Die sächsische Kleinstadt südlich von Dresden im Erzgebirge ist auch heute noch eine Armeleutegegend. 18 Prozent der Menschen haben keinen Job. Das Problem ist spürbar. Früher, bis 1989, sah es schlimm aus. Plumpsklos, vergammelte Häuser. Im Herbst, wenn der Regen kam, machte die fehlende Abwasserentsorgung das Leben fast unerträglich.


Heute, im November 2003, ist es besser geworden. Von gut ist Glashütte aber immer noch weit entfernt. Und das trotz der Luxusuhrenmanufakturen. Denn davon sieht man erst mal nichts. Kein Schild am Ortseingang, das etwa eine "Uhrenstadt" ankündigt, und auf der Hauptstraße liegt auch nicht ein Uhrenladen neben dem anderen. Im Gegenteil: ein einziger Juwelier am Ort, und der führt keine Lange & Söhne; Boccie, Bruno Söhnle und Tutima stehen auf den Zifferblättern, keine teurer als 200 Euro.


Und doch: Glashütte stemmt sich gegen den Verfall. Glashütte kämpft auch an der Feinwerker-Front um Weltruf. Und das gegen die schier übermächtige Schweizer Uhrenindustrie, die den Markt zu 100 Prozent im Griff hatte - bis die Sachsen kamen.


Hinter den schlichten Fassaden des Örtchens werden 100 000-Euro-Uhren zusammengebaut; an die 260 Millionen Euro setzen die Edeluhrenschmieden Lange & Söhne und der Glashütter Uhrenbetrieb, kurz GUB, jährlich um. Jahr für Jahr werden es mehr. Krise in der Luxuswelt? Nein, das Wort Krise nimmt der Sachse nicht gern in den Mund.


Auf den Straßen sind kaum Menschen unterwegs. Ein ruhiger Ort - mit Fotoladen, Elektrogeschäft und Ost-Sparkasse. Dönerbude, Apotheke, Fußpflegestudio.


Sündhaft teure Luxusuhren? Die Industrie bleibt verborgen. Erst am Ortsausgang wehen endlich vor einem klotzigen weißen Gebäude die blauen Fahnen vom Glashütter Uhrenbetrieb, und ein Stück weiter steht auf einer Steinmauer in schlichten silberfarbenen Lettern: Lange. Dahinter zwei lang gestreckte, weiße Gebäude mit hohen Fenstern, die Manufaktur von Lange & Söhne, feinste Adresse am Ort. Milchig geschliffene Glastüren mit Edelstahlrahmen, helles Holz. Licht und Geräusche - gedämpft. Die Uhrmacher sitzen in weißen Kitteln mit der Lupe vorm rechten Auge an ihren 1,30 Meter hohen Tischen und setzen stoisch Uhrwerke aus filigranen Teilchen zusammen. Uhrmacher müssen Geduld haben.
 

Uhrmacherwerkstatt Einleitung

1990 machte Walter Lange, damals 66, in Glashütte seine 1948 enteignete Familien-Uhrenmanufaktur Lange & Söhne wieder auf. Eine Edeluhr made in Germany, das könnte der Coup am Uhrenmarkt werden, so war das Kalkül Langes und seiner Investoren, der LMH-Gruppe, zu der auch die beiden Schweizer Luxusmarken IWC und Jaeger Le Coultre gehören.


Deutsche Luxus-Uhrenindustrie und deutsches Uhrmacherwissen hatten bis dahin in Glashütte, seit Mitte des 19. Jahrhunderts Deutschlands Uhrenmetropole, überwintert in Form des "VEB Glashütter Uhrenbetrieb", ebenfalls abgekürzt mit GUB. Der DDR-Betrieb hatte sich alle Uhrenmanufakturen des Ortes einverleibt, auch das alte Lange-Werk. 2500 Uhrmacher, die am Ende keine mechanischen Uhren mehr bauten, sondern nur noch Quarzuhren "zusammenkloppten", wie sie es heute nennen.

Lange machte 1990 einen Aushang beim VEB GUB, ein paar Uhrmacher meldeten sich und wurden zur Fortbildung zur Schwesterfirma IWC geschickt. "Die Schweizer bauen die besten Uhren. Die Sachsen auch", tönte es der bis dahin unangefochtenen Top-Marke Patek Philippe aus Deutschlands Osten entgegen.
 

Uhrmacherwerkstatt Teil 1

Die Firma stieg hoch ein: Unter 8000 Euro bekommt man keine Lange, für mehrere 100 000 Euro schon. Nicht nur der Uhrmacher, auch der Kunde braucht Geduld: Die Auftragsbücher sind übervoll. Manche Uhr braucht ein Jahr oder mehr, bis sie ans Handgelenk des Kunden gelangt.


Lange & Söhne hat derzeit 320 Mitarbeiter, Tendenz steigend, und macht gut 180 Millionen Euro Umsatz. Genaue Zahlen werden nicht genannt, die Branche ist verschwiegen. Man macht sich rar: Es werden weniger als 10 000 Uhren im Jahr hergestellt, und das soll nach dem Willen von Geschäftsführer Hartmut Knothe, 59, auch so bleiben. Knothe, ein bedächtiger Mann, gelernter Feinwerktechniker und von Anfang an bei Lange dabei, spricht viel vom "Lange-Geist" und von der "Lange-Mission", von "Uhren mit Seele", von "Spitze" sein und von "Weltmarke". Lange werde immer "exklusiv und hochpreisig" bleiben. Klar werde Lange expandieren. Nach Taiwan, Japan, Südamerika, USA, aber: "Vorsichtig. Wir haben nicht so viele Uhren." Auch den derzeitigen Einbruch auf dem Luxusuhrenmarkt sieht er gelassen: "Das nimmt uns ein bisschen den Druck." Die Zeiten würden wieder anders, auch das sei eine Frage der Geduld.


Nur ein paar Meter neben der feinen Welt von Lange & Söhne sieht alles ganz anders aus. Die Fertigung des Glashütter Uhrenbetriebs GUB, Langes Konkurrent und zweiter Platzhirsch am Ort, 1994 hervorgegangen aus dem Uhren-VEB, als dieser von der Treuhand an Investoren aus dem Westen verkauft wurde. Von den 2500 Mitarbeitern konnten 250 bleiben.


Bei der GUB sieht es nach Verwaltungsgebäude aus. Der Geruch von Luxus fehlt. Fünf Stockwerke, um einen Innenhof mit Glasdach herum gebaut und lichtdurchflutet, weiß verputzte Wände, grauer Linoleumfußboden. Wo bei Lange Weiß getragen wird, sind es hier blaue Kittel. Seitdem GUB auf gläserne Manufaktur macht, ziehen täglich zwei Besuchergruppen durchs Haus. Auch die GUB baut ihre 100 000-Euro-Uhren, auch die GUB baut wie Lange weniger als 10 000 Stück im Jahr, macht damit aber weniger Umsatz, geschätzte 80 Millionen Euro. Eine "Glashütte Original", so heißt die GUB-Marke, gibt es schon ab 3500 Euro, und das hilft dem Absatz. Das Jahr 2003 sei "extrem erfolgreich", man werde zweistellig wachsen, sagt GUB-Chef Frank Müller, 38, Doktor in Marketing und erst seit knapp sechs Jahren im Uhren-Business, davon drei Jahre bei seinem jetzigen Rivalen Lange & Söhne. In der Ecke von Müllers Büro steht eine Pappschachtel mit einer überdimensionalen Swatch Maxi, auf seiner Visitenkarte steht "Member of the Swatch Group". Vor drei Jahren sprang der Mega-Uhrenkonzern für geschätzte 50 Millionen Euro auf den Glashütte-Zug auf, und GUB-Chef Müller ist froh darüber: Die Swatch finanzierte ihm die Sanierung des maroden VEB-Komplexes und setzte ihm die, so Müller, "modernste Uhrenmanufaktur der Welt" hin. Swatch hätte gern auch Lange & Söhne gehabt, aber die ging samt LMH für 1,8 Milliarden Euro lieber an eine feinere Adresse, den Luxuskonzern Richemont.
 

Uhrmacherwerkstatt Teil 2

Wer ist luxuriöser, wer baut die besseren Uhren? Müller findet das nicht so wichtig: "Jeder folgt hier seiner Vision, und wir tun beide etwas für den Standort."

An Glashütte kann jeder genug verdienen. Keiner tut dem anderen weh. Heikel ist allenfalls die Sache mit der Geschichte. Denn formell ist die GUB als Rechtsnachfolger des VEB eigentlich auch der Nachfolger der ursprünglichen Lange-&-Söhne-Manufaktur. Was man allerdings im Nachbarhaus überhaupt nicht gern hört.

Glashütte profitiert vom Zweikampf: "Von da an geht es uns so richtig gut", sagt Frank Reichel, 60, seit 1990 CDU-Bürgermeister von Glashütte und gerade mit einer mehr als deutlichen Mehrheit von 73 Prozent bis zum Jahr 2008 wiedergewählt. Ein alteingesessener Glashütter mit breitestem Sächsisch, auch er gelernter Feinwerktechniker, der selbst im VEB gearbeitet hat. Einer, der die Leute kennt, der seine Ziele hat und der sie auch erreichen, der aus Glashütte etwas machen will. Kurze graue Haare, freundliche Augen, fast schon harmlos wirkt er, aber auch beharrlich und gewieft. Reichel zeigt auf seinen Zettel mit den Gewerbesteuereinnahmen: 1991 kassierte die Stadt 64 700 Mark Gewerbesteuern, heute sind es 2,5 Millionen Euro. "Die Uhrenindustrie war die einzige Hoffnung. Davon lebt der ganze Ort." Glashüttes Gewerbesteuerhebesatz ist hoch: 400 Prozent. Schulden musste der Bürgermeister so gut wie keine machen, denn auch die Fördermittel flossen reichlich.

Glashütte sells. Das merkten nicht nur Lange, GUB, Swatch und Richemont, sondern auch Firmen wie Mühle und vor allem Newcomer Nomos.

Uhrmacherwerkstatt Teil 3

Nomos pflegt gern sein Image als Piraten-Marke der Branche, als Marke, die jünger und frecher daherkommt. Die Uhren zwischen 650 und 6000 Euro verkauft, 12 000 Stück produziert und gut fünf Millionen Euro Umsatz gemacht. Und die Firma, die es jüngst schon als Erfolg feierte, den Sekundenstopp und das Datum zu entwickeln, worüber man bei Lange und GUB nur lächeln kann.

"Wo fängt Luxus an, wo hört Luxus auf?", fragt Nomos-Chef Uwe Ahrendt, 34, achselzuckend. Er - auch gelernter Feinwerktechniker - ist seit drei Jahren dabei, kurvt im Geländewagen durch den Ort und mischt seit neustem auch im Stadtrat mit.

Uhrmacherwerkstatt Teil 4

Nomos will mitspielen und hat zäh daran gearbeitet, sich "Glashütte" aufs Zifferblatt schreiben zu dürfen, was Absatz bringt, was aber auch nur der darf, der 50 Prozent der Uhr in dem Ort selbst herstellt. Jeder andere muss 2500 Euro Strafe pro Stück zahlen. Und Nomos kaufte sich gerade kurzerhand ein auf der Glashütter Uhrenmeile: Der alte Bahnhof schräg gegenüber vom Lange-&-Söhne-Stammhaus wird bald Firmensitz von Nomos. Doch auch hier liegen Welten dazwischen: Eine Nomos geht eine Minute in der Woche nach; mechanische Uhren gehen nie auf die Sekunde genau. Eine Lange & Söhne aber verschleppt keine 20 Sekunden. Und auch damit ist klar, wer in Glashütte das Sagen hat.

Copyright (c) 2009 Uhrmacherwerkzeug und Uhrenbeweger Michel Wucherpfennig. Alle Rechte vorbehalten.